Verkehr


Grenzwerte für Luftschadstoffe

Gesetzliche Grenzwerte vs. Richtwerte Weltgesundheitsorganisation (WHO)

jeweils µg/m3 im Jahresmittel EU USA Schweiz WHO
Stickstoffdioxid NO2 40 100 30 40
Feinstaub < 10µm (PM10) 40 20* 20 20
Feinstaub < 2,5µm (PM2.5) 25 12 10 10
*Gilt für Kalifornien. National gilt nur noch ein Grenzwert für die schädlicheren PM2.5

Die Tabelle zeigt, dass die Schweiz und die USA strengere Grenzwerte zum Schutz ihrer Bevölkerung festgelegt haben. Die Grenzwerte in der EU führen zu einer etwas verschobenen Diskussion. Feinstäube sind schädlicher als NO2. Fahrbeschränkungen müsste es zuerst wegen viel zu hoher Feinstaubkonzentrationen in deutschen Städten geben. Durch lasche EU-Feinstaubgrenzwerte (die von der WHO kritisiert werden) entsteht das falsche Bild, dass die Feinstaubbelastung verschwunden sei. Bei NO2 ist die EU hingegen zurecht der WHO-Richtlinie gefolgt. Der NO2-Grenzwert kann aber in vielen deutschen Städten durch den hohen Dieselanteil der Fahrzeugflotte und durch die kriminelle Energie von Autokonzernen nicht eingehalten werden.

Dass sich in der aktuellen politischen Diskussion Mediziner zu Wort melden, die die Methoden der Epidemiologie und die daraus abgeleiteten Grenzwertfestlegungen rundweg ablehnen, dürfte im Wesentlichen an fehlenden Kenntnissen liegen. Die Verfahren und Erkenntnisse der Epidemiologie sind z.B. auch für die Ernährungslehre von großer Bedeutung. Auch hier ist es so: vom Verzehr einer Portion Fastfood wird kein Mensch sofort krank. Aber wer sich ständig falsch ernährt, oder eben, wer ständig belastete Luft atmen muss, hat langfristig ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.

Interessante Beiträge zum Thema:

Prof. Dr. Nino Künzli, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Lufthygiene des Bundesrates der Schweiz: bei Deutschlandfunk

Internationale Experten: in der Frankfurter Allgemeinen

Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. : Positionspapier

Prof. Dr. Christian Witt, Leitung des Arbeitsbereichs ambulante Pneumologie an der Charité Berlin: im Gastbeitrag von Gabor Steingart bei Focus Online

Dr. Bettina Hoffmann, Mitglied des Bundestags: Faktencheck zum NO2-Grenzwert

Birgit Herden und Wiebke Hollersen, Die Welt: Was wirklich hinter der Grenzwertdebatte steckt

Christian Frahm, Spiegel Online: Wie Grenzwerte entstehen – und wer sie festlegt

Handelsblatt: Autokonzerne sahen Dieselkrise kommen – „Ohne Bescheißen werden wir es nicht schaffen“

Malte Kreutzfeldt, taz: Lungenarzt mit Rechenschwäche

Erster Schritt

Feinstaubalarm Beispiel Stuttgart

Stuttgart ist von Luftschaftschadstoffen besonders betroffen:

Bei vom DWD angekündigten austauscharmen Wetterlagen >> Feinstaubalarm:

Abgasskandal Europa

Großzügige Abgastests

Das Europaparlament hat am 3.2.2016 ein Veto gegen die Kommissionspläne abgelehnt, eine zeitlich befristete Überschreitung der Stickoxid-Grenzwerte von Dieselfahrzeugen zu erlauben. Die Abstimmung macht den Weg frei für die Umsetzung des zweiten "RDE-Pakets" (RDE = "Real Driving Emission Tests"). Zwei weitere müssen noch vorgeschlagen werden, um die Einführung der neuen Tests abzuschließen.

Das Paket sieht zwar vor, dass bessere Abgastests unter realen Fahrbedingungen eingeführt werden sollen (Tricks wie bei VW und anderen sollen damit künfig ausgeschlossen werden). Gleichzeitig erlaubt die EU festgelegte Grenzwerte großzügig zu überschreiten. Dies durch Einführung sogenannter Faktoren. Bei Stickoxide Faktor 2,1 (ab 2020 Faktor 1,5). Das heißt die festgelegte Grenzwerte dürfen um mehr als das Doppelte überschritten werden.

Klartext: Die EU erlaubt auf Druck der Autolobby deutlich höhere Grenzwerte, weil insbesondere Diesel-PKWs diese im Straßenverkehr nicht einhalten, bzw. die Autoindustrie nicht bereit ist, Maßnahmen zur effizienten Abgasreinigung zu treffen. Gleichzeitig bietet z.B. VW den USA den kostenlosen Einbau eines Nachrüstkatalysator an (technische Instrumente sind vorhanden). Die Gesundheit der EU-Bürger ist der Autolobby und den EU-Behörden offensichtlich weniger wert.

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