Feinstaub

unicef:

Wie Luftverschmutzung die Gehirnentwicklung von Kindern beeinträchtigen kann

Dezember 2017 veröffentlicht Unicef einen Bericht mit dem Titel „Gefahr in der Luft: Wie Luftverschmutzung die Gehirnentwicklung von Kindern beeinträchtigen kann“.  Als besonders gefährlich gelten Feinstäube kleiner 2,5µm (PM2.5) weil diese in der Lage sind, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden, die unser Gehirn vor schädlichen Substanzen schützen soll.

dummy1 Besondere in Entwicklungsländern sind Kinder von stark verschmutzter Luft betroffen. Der Unicef-Bericht geht aber auch für Europa von 6,9 Millionen Kleinkinder aus, die über das Jahr gemittelt über 10µg/m3 der PM2.5-Feinstäube einatmen müssen. Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine maximale Jahresmittel-Belastung in Höhe von 10µg/m3 empfiehlt, setzt die EU für Europa einen unverbindlichen Zielwert in Höhe von 20µg/m3 fest. Bei den gröberen Feinstäuben kleiner 10 µm (PM10) gilt in der EU ein Grenzwert in Höhe von 40µg/m3 im Jahresmittel. Für Feinstäube dieser Größe empfiehlt die WHO aus medizinischer Sicht eine maximale Belastung von 20µg/m3.

In Esslingen werden nur die größeren Partikel PM10 gemessen. 2017 wurde in Esslingen eine Belastung in Höhe von 26µg/m3 (Jahresmittel) gemessen, 30% mehr als die WHO empfiehlt.

Nach Messungen der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) verursachen heute Holz- und Pelletsheizungen 36% der PM2.5-Emissionen in Baden-Württemberg, der Straßenverkehr 23%, Baumaschinen/mobile Maschinen 20%, die Industrie 10% und die Tierhaltung der Landwirtschaft 8% (Ammoniakemissionen).

Umweltbundesamt:

Jährlich rund 47.000 vorzeitige Todesfälle durch Feinstaub

dummy1 Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes ergeben sich folgende Sterbefallzahlen aufgrund zu hoher Feinstaubbelastung: Zitat: „Für die betrachteten Erkrankungen können in Deutschland jährlich im Durchschnitt circa 47.000 vorzeitige Todesfälle auf die Exposition gegenüber Feinstaub zurückgeführt werden. Dies entspricht einem Verlust von circa zehn Lebensjahren pro 1.000 Einwohner.“

Die Folgen der Langzeit-Exposition gegenüber Feinstaub verursachen bei weitem den größten Anteil der Krankheitslast. So bewegt sich nach den vorliegenden Berechnungen bei Erwachsenen über 30 Jahren der durch Feinstaub bedingte Anteil aller kardiopulmonalen Sterbefälle im Bereich von etwa 12,5 bis 14 Prozent. Entsprechend sind circa 13 bis 15 Prozent der Sterbefälle durch Lungenkrebs dem Feinstaub zuzuschreiben.

Stadt Esslingen Für die Stadt Esslingen bedeutet das 52 vorzeitige Todesfälle pro Jahr durch die hohe Belastung mit Feinstaub. Die vom Umweltbundesamt ermittelten Todesfallzahl bezieht sich auf die durchschnittliche Belastung in ganz Deuschland. Weil Esslingen in einem der dichtesten Ballungsgebieten Deutschlands liegt, ist hier von höheren vorzeitigen Todesfallzahlen durch Feinstaub auszugehen.

Weltgesundheitsorganistion Europa

Untersuchung der umweltbedingten Krankheitsbelastung der Kinder

Außenluftverschmutzung

Die Verschmutzung der Außenluft wird für akute Infektionen der unteren Atemwege, Asthma, niedriges Geburtsgewicht und Beeinträchtigungen der Lungenfunktion bei Kindern verantwortlich gemacht. Die signifikantesten gesundheitlichen Auswirkungen der Außenluftverschmutzung gehen jedoch von Schwebstaubemissionen (PM) aus.

WHO Europa

Für Deutschland errechnet die WHO eine Sterblichkeit bei Kinder zwischen 0-4 Jahren von ca. 27 Todesfälle pro Jahr aufgrund der Außenluftverschmutzung.

Luftverschmutzung in geschlossenen Räumen

Da in Europa Säuglinge und Kleinkinder im Allgemeinen bis zu 90% ihrer Zeit in geschlossenen Räumen verbringen, sind sie wahrscheinlich selbst bei relativ geringen Konzentrationen von Schadstoffen in der Raumluft letztendlich sehr hohen Belastungen ausgesetzt. Weltweit ist die Verwendung von festen Brennstoffen die häufigste Ursache für verschmutzte Raumluft. Der Gebrauch fester Brennstoffe wird für mehrere Krankheiten verantwortlich gemacht, darunter akute Infektionen der unteren Atemwege bei Kleinkindern und Asthmaerkrankungen bei Kindern im Schulalter. Weil die Weltgesundheitsorganisation 2004 davon ausging, dass in wirtschaftlich starken Ländern wie Deutschland in privaten Haushalten keine festen Brennstoffen verheizt werden, nahm die WHO 2004 für diese Länder ein Sterblichkeitsrisiko für Kinder unter 4 Jahren durch Feinstaub in Innenräumen von Null an. In den vergangenen 10 Jahren fand in Deutschland jedoch ein Boom von Holz- und Kaminöfen statt. Diese Kaminöfen kommen in vielen Haushalten regelmäßig zum Einsatz und verursachen die gleichen Problem, wie in Länder, in denen vorwiegend mit Holz- und Kohleöfen geheizt wird. Erschwerend kommt hinzu, dass moderene, dichte Fenster die Innenraumbelastung massiv nach oben treiben können.

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